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Stress: das Monster im Büro

Die Menschen sind fähig, außergewöhnliche Leistungen zu erbringen, sei es im Sport, bei Heldentaten oder im Bereich der Kreativität. Aber jede vierte Person leidet wenigstens einmal in ihrem Leben an einer Depression, 10% immerhin zu einem bestimmten Lebenszeitpunkt. Alle Depressionsverläufe haben einen gemeinsamen Auslöser: Stress.

Es gibt positiven und negativen Stress. Er kann ihre Leistung und Leben positiv unterstützen und die Quelle für Motivation und Erfolg sein, aber er kann auch das schwarze Loch sein, das ihre Arbeitsmoral, Leistung und Beziehung zu anderen Menschen blockiert.

Stress aktiviert im Körper das Fight-or-Flight-Syndrom (Kampf-oder-Flucht-Reaktion). Herzschlagrate und Blutdruck steigen an und die Hormone, wie z. B. Adrenalin und Coritsol, werden in den Blutkreislauf ausgeschüttet.

Geschieht dies nur über einen kurzen Zeitraum, kann sich dieser Effekt sehr positiv auf Leistung, Einstellung, Denkleistung und Kreativität auswirken. Vor mehr als 100 Jahren haben die Harvard Wissenschaftler Robert Yerkes und John Dodson den Zusammenhang zwischen Stress und Leistungssteigerung herausgefunden. Steigt der Stress an, so steigt auch gleichzeitig die Effizienz und Leistung. Jedoch verschwindet ab einem gewissen Stress-Level diese positive Auswirkung und die Leistung nimmt wieder kontinuierlich ab.

Das Verhältnis zwischen Stress und der menschlichen Leistungsfähigkeit wird das Yerkes-Dobson-Gesetz genannt.

Jeder reagiert auf Stress in unterschiedlicher Weise; bei dem einen hat ein gewisses Stress-Niveau eine positive Energieausschüttung, wo hingegen der gleiche Stress-Level bei einer anderen Person zur Stagnation führt. Der Trick ist nun, bei sich selbst die eigenen Stress auslösenden Muster zu identifizieren, um somit herauszufinden, wie sich dieser Stress ins Positive umwandeln lässt.

Einige Fragen und Beobachtungen zu der eigenen Lebenssituation sind nötig, um letztendlich herauszufinden, wie man in Stress-Situationen reagiert, wenn man sich immer mehr auf der absteigenden Yerkes-Dodson-Kurve befindet.

Beobachten Sie ihre Aufmerksamkeit.

Leidet ihre Aufmerksamkeit und suchen sie nach Ablenkung, nachdem sie eine längere Zeit konzentriert gearbeitet haben?

Achten Sie auf Ihren Gemütszustand.

Überwiegen eher die negativen Aspekte in ihrem Projekt oder Arbeit? Hat sich ihre anfängliche Begeisterung in Frustration gewandelt?

Schätzen Sie ihr Durchhaltevermögen ein.

Verlieren Sie die Lust an der Arbeit oder rennen Sie gegen eine Wand an?

Hören Sie auf Ihren Körper.

Leiden Sie unter Herzrasen, haben sie Kopfschmerzen, Verspannungen, schwitzen sie viel?

Für einige wenige Glückliche ist Stress niemals ein Problem, anderen wiederum kann es das Leben zur Hölle machen. Diese Menschen fühlen sich durch den Stress kraft- und nutzlos und schließlich werden einige davon depressiv, manchmal sogar bis hin zu Selbstmordgedanken.

Sollte der Stresslevel zu stark ansteigen und sie sind in der Lage, dies für sich auch festzustellen, können sie Maßnahmen ergreifen, um dem entgegenzuwirken. Dem Stress Einhalt zu gebieten ist eine Milliardengeschäft. Sue Firth ist eine Arbeitspsychologin und Stressexpertin. Wir haben sie um einige ihrer Tipps gebeten, wie man dem Stress am besten begegnen kann.

Ihrer Meinung nach ist der Ursprung von Stress jede Situation, Person oder Ereignis, die dazu führt, das Fight-or-Flight-Syndrom im Körper hervorzurufen.

„Um den Stress zu verringern würde ich zunächst fragen, ob sich die Person an die Gegebenheiten anpassen kann, oder ob die Situation sich anpassen könnte oder ob nicht sogar der Stressauslöser gänzlich vermieden werden kann. Die besten Waffen gegen Stress sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen: Erholung, Freizeitaktivitäten, Entspannung, Sport und Essen (weniger und dafür öfter).

Das Fight-or-Flight-Syndrom entwickelte sich bei unseren Vorfahren als Schutz vor wilden Tieren. Heutzutage werden wir nicht mehr von einem wolligen Mammut angegriffen und daher befindet sich konsequenterweise unser Instinkt meistens am Arbeitsplatz auf höchster Alarmstufe.

Die meisten Unternehmen leisten sich heutzutage weniger Angestellte für den gleichen Arbeitsaufwand. Die immerwährende Angst vor Stellenabbau und die zunehmende Kommunikationsgesellschaft bietet in seiner Kombination einen guten Nährboden für die schlechteste Art von Stress. Stress lässt sich nun aber auf der Arbeit nicht vermeiden und ist auch nicht auf einen bestimmten Berufszweig begrenzt.

Immer mehr Stress fordert sowohl für die Menschen als auch für die Unternehmen ihren Tribut. Untersuchungen belegen, dass 60% der Fehlzeiten auf Stress zurückzuführen sind und viele Arbeitnehmer kehren erst nach mehreren Wochen und Monaten an ihren Arbeitsplatz zurück.

In der vergangenen Woche hat die britische gemeinnützige Organisation für psychisch Kranke, Mind, veröffentlicht, dass 19% der Arbeiternehmer bereits einen stressbedingten Krankheitsurlaub gemacht haben und 93% sagten, dass sie schon mal ihren Arbeitgeber bezüglich des Abwesentheitsgrundes angelogen hätten, weil sie sich überfordert fühlten. Mind sagte, dass sich viele Arbeiternehmer auf Grund des gesellschaftlichen Tabus, den Anforderungen nicht mehr standhalten zu können, eher eine Magenverstimmung, Probleme mit dem Haus oder kranke Verwandte vorschieben, als Schwäche zuzugeben.

Die Veröffentlichung der Mind Umfrage fiel auf den 3. November – dem Stress Awareness Day (Tag der Bewußtseinsmachung von Stress) und macht deutlich, dass heutzutage die Arbeitnehmer mit ihrem Stress nicht hinterm Berg halten möchten. 70% wünschen sich eine offene Diskussion und ein Drittel wünscht sich, dass sie von ihrem Arbeitgeber direkt angesprochen werden, sollten sie diverse Stressanzeichen zeigen.

Die meisten Menschen unternehmen nichts, um dem Druck zu entgehen und ziehen es lieber vor, damit zu leben. Die Hälfte der Befragten fühlte sich mindestens einmal pro Woche gestresst, 21% jeden Tag. Immerhin 63% gaben an, dass sie nichts unternehmen würden, um an dieser Situation etwas zu ändern.

Julia Lamb, Pressesprecherin von Mind, sagte:” Permanenter, unverminderter Druck kann zu Stress führen, welcher sich im Gefühl von Verdruss und Frustration sowie physischen und mentalen Gesundheitsproblemen äußert.”

Lamb führt an, dass arbeitsbedingter Stress zahlreiche Ursachen haben kann, aber meistens liegt es daran, dass „den Menschen unrealistische Leistungserwartungen aufgebürdet werden, die sie nicht erfüllen können.“

Folgende Symtome tauchen bei Stress auf:

  • Schlaflosigkeit und -probleme
  • Müdigkeit
  • Muskelverspannungen oder -schmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Magenverstimmungen
  • Herzklopfen
  • Mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Reizbarkeit
  • Verlust des Humors
  • Rückzug aus sozialen Kontakten

Die Vorschläge der Organisation Mind für Stressvorsorge und –bewältigung sind ein besseres Management in der Arbeitsbelastung, um sicher zu stellen, dass kein Mensch mehr leisten muss als er dazu fähig ist. Außerdem fordern sie spezielle Trainings für Manager, so dass diese die Risiken von Arbeitsüberlastung erkennen können, um ihre gestressten Mitarbeiter zu unterstützen.

Es hört sich einfach an, aber Arbeitnehmer sollten mehr darauf achten, dass sie ihre Mittagspause auch wirklich nehmen und die Arbeitszeit nicht ständig überziehen, damit sie sich auch wirklich erholen können. Außerdem helfen flexible Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit, die Arbeit von Zuhause zu erledigen. Auch ein angenehmes Arbeitsumfeld hilft, stressige Situationen besser zu meistern.

Lamb sagt: “Eine gute Kommunikation zwischen dem Linienmanagement und der Belegschaft ermöglicht den Managern schon kleine Veränderungen im Verhalten der Mitarbeiter festzustellen, wie z.B. größere Anspannung und Gereiztheit, weniger Enthusiasmus und Zurückgezogenheit.”

“In einem gut funktionierenden Arbeitsumfeld erkennen Kollegen die Merkmale von Angespanntheit und Gereiztheit. Wenn also jemand über einen längeren Zeitraum gestresst erscheint, ist es ungemein wichtig herauszufinden, ob die Arbeit hierbei das Problem ist und wenn ja, wie man gemeinsam daran arbeiten kann, den Stress zu verringern.”

Eine Studie von Binnewies und Partner aus dem Jahre 2010 führt an, dass Spaß und Erholung am Wochenende entscheidend sind, um die mentalen und physischen Ressourcen der Arbeitnehmer wieder aufzufüllen. Es sei ungemein wichtig, dass die Menschen von der Arbeit Abstand nehmen können und auch in anderen Bereichen ihre Erfolge erzielen.

Sport und Hobbies sind ideale Ausgleichsmechanismen und gerade am Wochenende sollte die Menschen mentalen Abstand von der Arbeit erhalten. Dies sollte auch von den Unternehmen unterstützt werden, anstatt sie mit Arbeit zu überhäufen.

Gerade die 65% die der Meinung sind, am Stress ließe sich nichts beeinflussen, sollten sich bewußt machen, dass es weniger Aufwand ist als man denkt und dafür große Wirkung hat. Sue Firth und weitere Experten stimmen darin überein, dass ein einige einfache und fundamentale Änderungen in der Lebens- und Arbeitsweise zur besseren Stressbewältigung gibt.

Gesunde Ernährung. Die meisten Menschen führlen sich gestresst, wenn ihr Blutzuckerspiegel am niedrigsten ist. Kein Frühstück und auch die Mittagspause überspringen sind zwei einfache Fallen, die man leicht vermeiden kann. Auch ein ständiger kleiner Vorrat an gesunden Zwischenmahlzeiten wie z.B. Nüssen und Rosinen kann helfen, kleine Tiefs schnell zu überbrücken.

Genügend Schlaf. Zu wenig Schlaf führt zu einer chronischen Verschlechterung der Lebensqualität und Studien haben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Erholung und der Fähigkeit, Leistungsdruck standzuhalten, erwiesen. Einen fester Zeitpunkt zum Schlafen gehen, am besten vor Mitternacht, hilft dem Körper sich ausreichend zu erholen. Ein altes Sprichwort sagt: „Eine Stunde Schlaf vor Mitternacht ist soviel wert wie zwei Stunden danach.“

Sport: Sport ist für jeden Menschen wichtig, egal ob es der kleiner Spaziergang in der Mittagspause oder Wettkampfsport ist. Sogar einige Dehnungsübungen am Arbeitsplatz oder einfach im Büro ein wenig hin und her laufen zahlt sich positiv aus. Sportliche Übungen verringern das Kortisol und erhöhen gleichzeitig den Serotoninausstoß.

Finger weg von Suchtmachern: Die Gesundheit wird es ihnen danken, den Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum zu reduzieren. Bereits nach kurzer Zeit wird sich die Stressanfälligkeit verringern.

Entspannungstechniken: Sue Firth ist eine leidenschaftliche Verfechterin von Entspannungsmethoden und favorisiert Pilates oder Yoga. Außerdem empfiehlt sie öfters zu lachen und auch mal Späße zu machen. Andere wiederum empfehlen sich Radiosendungen anzuhören, zu der Lieblingsmusik zu tanzen oder ein gutes Buch zu lesen. Während meiner Zeit in Deutschland war für mich der sonntägliche Gang ins Kino eine hervorragender Weg, sich zu entspannen und sich gemächlich auf die kommende Arbeitswoche vorzubereiten.

Suche sie Unterstützung: Jemandem zum Reden haben hilft immer, die Anspannungen runterzufahren. Soziale Kontakte helfen aber darüber hinaus auch, von den eigenen Problemen abzulenken. Freundschaften sind ungemein wichtig für ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben.

Zeit gut einteilen: Ein gutes Zeitmanagement gibt ihnen eine bessere Kontrolle über ihren täglichen Terminplan. Eine bessere Strukturierung und Organisation verringert den Druck und erhöht gleichzeitig die Effizienz – im Endeffekt bleibt mehr Zeit für die Erholung.

Sue Firth erklärt, dass jeder Einzelne den Stresslevel mit einer Kombination von diversen Veränderungen verringern kann. Es gibt drei Stufen der Stressbewältigung: “Als erstes muss man verstehen, wie sich Stress auf das Gehirn und unsere Fähigkeit zu Denken auswirkt. Die meisten Menschen gehen davon aus, bei einem Problem am besten gleich aktiv zu werden. Es wird nach der schnellen Lösung gesucht. Erst sollten Entspannungsmethoden angewendet werden, um den Adrenalinspiegel im Blut zu senken. Ist das geschehen, kann auch das Gehirn besser arbeiten und der Kopf ist frei für neue Lösungsansätze. Auf diese Weise wird sowohl die Produktivität als auch die Kreativität enorm gesteigert.“

“An zweiter Stelle sollten die Stressquellen oder äußeren Problemherde erkannt und nach Wichtigkeit sortiert werden. Fragen sie sich, ob es sich dabei um häufige Veranstaltungen oder bestimmte Personen handelt, denn diese müssen als erstes nach ihrem Schweregrad oder Einfluss angegangen werden. Dafür benötigen sie praktische Lösungen, die ihnen helfen, diese Schwierigkeiten zu reduzieren. Suchen sie nach Unterstützung, arbeiten sie an eine bessere Beziehung oder suchen sie nach neuen Wegen, wie sie diese Situationen besser verarbeiten können.”

An dritter Stelle müssen sie herausfinden, welche Gefühle diese Situationen bei ihnen hervorrufen und wie sie diese verändern oder entgegentreten können. Hierzu meint Sue: “Darunter versteht man die “Ursachen” von Stress, also eher die Gründe, warum sie etwas ärgert. Obwohl es schwieriger ist, sein Verhalten gegenüber einer Sache zu ändern, ist es immer möglich und sinnvoll, seine Einstellung zu einer Sache zu überdenken oder anzupassen. „Ich mach dies mittlerweile die ganze Zeit, es ist mir schon in Fleisch und Blut übergangen. Es ist immer eine Frage der Perspektive und ein Versuch, neutral zu bleiben, anstatt wertend und kritisch.”

Sue ist davon überzeugt, dass die Unternehmen Stress mit regelmäßigen Weiterbildungsmaßnamen begleiten und entgegentreten sollten. Dort könnten Themen wie z.B. Zufriedenheit, Motivation und Engagement neben der eigentlichen Leistungserwartung an die eigene Position diskutiert werden.

Außerdem ist sie der Meinung, dass “regelmäßige anonyme Umfragen einen besseren Zugang zur Mitarbeiterzufriedenheit im Unternehmen bieten. Sollte es zwischenmenschliche oder arbeitsbedingte Problem im Unternehmen geben, zeigen sich diese in erster Linie durch eine erhöhte Krankheits- oder Fluktuationsrate. Es wäre also von Vorteil, den Krankenstand im Auge zu behalten sowie im abschließenden Gespräch mit einem ausscheidenden Mitarbeiter zu klären, warum dieser das Unternehmen wechselt.“

“Sollte ein Unternehmen die Grundsätze der Stressvermeindung sich auf die Fahnen schreiben, dann sollte auch eine Politik verfolgt werden, die es für jeden Mitarbeiter im Unternehmen möglich macht, Hilfestellungen für Stresssituationen zu finden. Das Sahnehäubchen wäre in diesem Fall das Angebot von Stress Management Workshops, des Weiteren ein Unterstützungsprogramm für Mitarbeiter für Stressabbau und –vermeidung oder auch nur die Möglichkeit, sich mit einem Experten am Telefon bei besonders stressigen Situationen austauschen zu können.“

Der letzte Rat von Sue Firth: „Einfach mal tief durchatmen!“

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